Software Entwicklung & IT Sourcing

FAQs

Manche Outsourcing-Anbieter verlangen Vorkasse oder Abschlagszahlungen. Was ist davon zu halten?

Nichts.

Es gibt tatsächlich einige Anbieter, die vor Projektbeginn 20% – 50% des – wie auch immer kalkulierten- Projektbetrages in Rechnung stellen wollen. Das mag sicher oft der schlechten lokalen Zahlungsmoral geschuldet sein, sollte aber bei seriösen Outsourcing-Geschäften nicht zur Debatte stehen. Projekte werden, wie auch hierzulande üblich, nach Aufwand oder Festpreis abgerechnet – aber stets nach Leistungserbringung.

Wo liegen typischerweise die Tagessätze bei Nearshore- / Offshore-Anbietern ?

Tagessätze hängen natürlich von verschiedenen Faktoren ab wie: technischer Skill, Seniorität, Projektvolumen und Outsourcing-Destination. In den etablierten Outsourcing-Ländern wie der Ukraine, Rumänien, Russland oder Indien haben sich in den letzten Jahren, ähnlich wie in Europa, klare Preisstrukturen für IT-Dienstleistungen etabliert. Diese sollten Sie in Erfahrung bringen, bevor Sie beurteilen können, wie gut oder schlecht das Angebot Ihres Outsourcing-Partners ist. Folgende Trends gelten generell:

  • die Tagessätze in den etablierten Outsourcing-Regionen gleichen sich dank Globalisierung immer stärker an
  • das Preisniveau ist in den vergangenen 15 Jahren im Durchschnitt dort um 20% – 30% gestiegen
  • der Preis hat als Hauptmotivator für Outsourcing in Relation zu anderen Gründen wie Verfügbarkeit und technischer Expertise abgenommen

In Osteuropa bewegen sich Tagessätze heute im Rahmen von 180 bis 250 Euro. Ausreißer nach unten können Sie z.B. bei 1st und 2nd Level Support erwarten, während seltener vorkommende Kenntnisse – aktuell z.B. MS-Navision Dynamics oder manche eCommerce Plattformen – auch deutlich teurer sein können.

Ein Outsourcing-Partner, der seine Mitarbeiter ordentlich (und legal) bezahlt und sich um deren Zufriedenheit – und damit um niedrige Fluktuation – bemüht, kann nicht wirklich unter dem üblichen lokalen Marktpreis anbieten.

Emerging Markets wie China oder Vietnam sind preislich attraktiver. Dafür sollten Sie bereit sein, Abstriche in der Kommunikation und der lokalen Logistik / Infrastruktur zu machen.

Man hört viel über hohe Mitarbeiter-Fluktuation in klassischen Outsourcing-Destinationen. Wie kann ich sicherstellen, dass mein Projekt davon nicht betroffen ist?

Wirklich sicherstellen können Sie das nicht, da auch Ihr Outsourcing-Partner nicht davor gefeit ist, Mitarbeiter zu verlieren. Aber Sie können zwei Dinge tun:

  1. Lassen Sie sich vertraglich zusichern, dass derartige Ausfälle durch den Partner schnell kompensiert werden und die Kosten dafür – zumindest in wesentlichen Teilen – von ihm getragen werden. Das Einbringen neuer Mitarbeiter ist immer mit Wissensaufbau und Lernkurven verbunden, deren tatsächliches Volumen sehr schwer kalkulierbar ist; aber eine pragmatische Lösung kann eine Vereinbarung sein, „Ersatzspieler“ für einen gewissen Zeitraum ohne Berechnung einzuarbeiten.
  2. Schauen Sie sich insbesondere das Arbeitsklima bei Ihrem Outsourcing-Partner an und fragen Sie ihn, was er unternimmt, um Mitarbeiter langfristig zu binden. Inzwischen sind auch in den meisten Outsourcing-Regionen diese Themen an der Tagesordnung: private Krankenversicherung, Essensboni, Gutscheine für diverse Sport- und Freizeitaktivitäten, regelmäßige Firmen-Events, fachliche und persönliche Fortbildungsmöglichkeiten, partizipative Führungsstile, Erfolgsprämien u.ä.

Unserer Erfahrung nach ist das generelle Arbeitsklima der wichtigste Faktor zur Vermeidung von hoher Fluktuation. Ein Arbeitsklima ist immer das Destillat aus sämtlichen Bemühungen, Mitarbeiter ernst zu nehmen, sie vernünftig zu entlohnen, ihre Initiative und Kreativität zu schätzen und ihre Motivation mit positiven Mitteln zu fördern – anstatt über Druckmittel Verhaltensmuster zu erzwingen.

Besuchen Sie Ihren Outsourcing-Partner doch einfach einmal, um einen persönlichen Eindruck vor Ort zu bekommen. Ein Tag an seiner Seite ist wesentlich aufschlussreicher als viele bunte Broschüren und warme Worte seiner Vertriebsmitarbeiter.

Wie kann ich sicherstellen, dass Mitarbeiter bei meinem Outsourcing-Partner über die nötige Qualifikation verfügen ?

Ein erster Indikator sind die Profile und Projektnachweise, die Sie sich vom Outsourcing-Partner geben lassen können. In einem zweiten Schritt sollten Sie auch in einem Telefonat überprüfen, wie gut und tiefgehend die Expertise ist.  Wenn Sie danach immer noch nicht sicher sind, bietet sich auch die Möglichkeit eines Pilotprojektes oder kleinen Einstiegsprojektes, das aber i.d.R. schon mit Kosten verbunden ist. Wenn Sie ein solches zusätzliches Testprojekt aus Zeit- und/oder Kostengründen nicht durchführen möchten, sollten Sie auf jeden Fall darauf achten, in den ersten Monaten nach Projektstart eine vernünftige Ausstiegsoption vertraglich abzusichern.

Was ist eine „verlängerte Werkbank“ und wie funktioniert das ?

Der Begriff bezeichnet Mitarbeiter bei einem Outsourcing-Partner, die Sie wie eigene Mitarbeiter in Ihre Projekte einbinden können. Das funktioniert immer dann sehr gut, wenn

  • Sie mit diesen Personen schnell und einfach z.B. über Skype, Telefon oder Videokonferenz in Verbindung treten können
  • diese Mitarbeiter direkten Zugriff auf Ihre Projekte bzw. die Projekte Ihrer Kunden haben
  • Sie Aufgaben klar formulieren und als Arbeitspaket delegieren können, egal ob sie sich über 2 Stunden oder 5 Tage erstrecken
  • die Zeitzonen nicht stark abweichen, um möglichst große Überlappungen der Arbeitszeiten zu gewährleisten

Wie oft sollte ich das Outsourcing-Entwicklungsteam persönlich treffen ?

Es macht Sinn, zu Beginn eines neuen Projektes einen Vor-Ort-Workshop mit dem Outsourcing-Partner durchzuführen, um insbesondere diese Themen zu erörtern:

  • gegenseitiges persönliches Kennenlernen aller oder zumindest der zentralen Projektpartner
  • Abstimmung des gemeinsamen Vorgehens- und Entwicklungsmodells
  • Abstimmung von Projekt-Scope, -Zielsetzung und -Meilensteinplanung
  • damit verbunden sollten die Rollenverteilung und die Kommunikationsstrategie definiert sowie der Einsatz der gemeinsam genutzten Tools z.B. für Versionierung, Issue Tracking, Reporting oder Testautomatisierung geklärt werden
  • technische Integration und Anbindung: auf welchen Systemen wird entwickelt und getestet, wer betreut das Staging-Environment, welche remote Verbindungen müssen eingerichtet werden, welche Sicherheitsmaßnahmen und –konzepte müssen implementiert werden

Für diese Themen reichen i.d.R. 1-2 Tage Workshop aus. Dazu kann noch ein zusätzlicher Workshop angeschlossen werden, falls eine fachliche bzw. technische Einarbeitung des Outsourcing-Partners in die Umgebung und Produkte des Kunden erforderlich ist und/oder die Definition des Projektes (Backlog, SRS oder sonstige Spezifikationen) gemeinsam erfolgen soll. Als praktikabler Zeitraum hat sich hier 1 bis max. 2 Wochen erwiesen. Sollten in einem solchen Rahmen nicht alle Themen zur Genüge besprochen werden können, ist es meist besser, das Projekt von vorneherein in kleinere Module oder Pakete zu unterteilen.

Weitere persönliche Treffen können in folgenden Fällen Sinn machen:

  • wesentliche Lieferungen des Outsourcing-Partners, die erklärungsbedürftig sind und/oder eine komplexere Installation und Konfiguration erfordern
  • gemeinsam durchzuführende Abnahmetests
  • Definition und Spezifikation neuer Pakete oder Meilensteine
  • ernstere Probleme und Fehlentwicklungen im Projekt

Eignen sich agile Projekte für Outsourcing ?

Die meisten Projekte – auch im Outsourcing-Umfeld – werden heutzutage agil umgesetzt, sei es mittels Scrum, Kanban oder angepassten Mischformen. Die wichtigsten Voraussetzungen, damit das gut gelingt, sind:

  • abgestimmtes Verständnis vom genauen agilen Vorgehensmodell zwischen Auftraggeber und Outsourcing-Partner
  • agiles Vorgehen innerhalb des Outsourcing-Entwicklungsteams in der täglichen Arbeit
  • häufige planmäßige Abstimmungen zwischen Outsourcing-Entwicklungsteam und Auftraggeber, z.B. zwei- bis dreimal wöchentlich für 30 Minuten in Form von Telcos oder Web-Konferenzen
  • direkte Kommunikation zwischen allen Beteiligten beider Seiten ist im Bedarfsfall möglich  und wird unterstützt
  • gemeinsame Nutzung der wichtigsten Kommunikationsplattformen z.B. für Backlog, Sprint-Planung, Issue Tracking und Burndown-Charts