3 einfache Marketing Tipps für eCommerce

Für manche bedeutet das Aufsetzen eines Online Shops den Start in ein erstes eigenes Unternehmen, während andere das Internet als Erweiterung ihres schon bestehenden traditionellen Geschäftes betrachten, um ihre Zielgruppen schneller und auf neuen Vertriebswegen zu erreichen. Was auch immer der Business Case für einen Online Shop sein mag, alle Betreiber müssen sich einer zentralen Herausforderung stellen: Wie kann ich Veränderungen vorhersehen und möglichst schnell und effektiv darauf reagieren? Und in Zeiten immer schnelleren und umfangreicheren Wandels gewinnt diese Herausforderung stetig an Bedeutung.

Und weil wir natürlich wissen, dass Shop- bzw. eCommerce-Seitenbetreiber großes Interesse daran haben, das Beste aus ihrer Plattform herauszuholen und offen für Tipps & Tricks sind, stellen wir hier unsere Top 3 Marketing Empfehlungen vor. Sie gelten für kleine und große Shops und können sowohl im B2C als auch im B2B Umfeld angewendet werden. Dabei haben wir uns mit neuen Technologien, Performance-Aspekten und den Entscheidungsprozessen von Internet-Nutzern beschäftigt.

#1. Kümmere Dich um die Performance

Warum steht Performance an erster Stelle? Vermutlich soll die eCommerce-Plattform etwas richtig „Großes“ werden und möglichst viele Besucher anziehen. Ein großer Teil der Online Marketing Bemühungen zielt letztlich auf die Generierung von Traffic aus verschiedenen Kanälen ab. Und diese Besucher wollen eine ordentliche Geschwindigkeit, die nicht über Zeit rapide schlechter wird. Sie wollen eine Seite, die schnell lädt, auf der sich leicht suchen und filtern lässt (und zwar auf mobilen Geräten und Desktops) und bei der der Zahlungsprozess einfach und sicher ist.

Wenn die Server nicht optimal aufgesetzt sind, geht der ganze Shop schnell in die Knie, wenn z.B. eine Newsletter-Kampagne erfolgreich läuft oder die Social Media Kanäle heiß laufen. Dann hilft auch die schönste Oberfläche und optimierte UX nicht viel… Und selbst bei solide konfigurierten Servern sollte man darauf achten, wie Datenbanken ihre Inhalte liefern, wie das Caching System aufgebaut ist und wie es um die Minification von HTML, CSS und JavaScript steht. Ist der Shop international? Dann könnte auch CDN (Content Delivery Network) ein interessantes Thema sein.

Performance ist aber auch für SEO (Search Engine Optimization) Maßnahmen wichtig. Man denkt bei SEO in erster Linie an Onpage Metriken wie z.B. Bounce Rate, durchschnittliche Session Zeit oder Conversion Rate. Und eine schnell ladende Seite ist ein wichtiger Faktor für den Traffic, den man von der organischen Suche erhält (Google bewertet Geschwindigkeit durchaus) – immerhin eine der zentralen Traffic Quellen – und verschafft Nutzern eine gute Erfahrung auf und mit der Seite.  Selbst für bezahlte Anzeigen wie Adwords ist Performance relevant, da sie zu verminderten CPC (Cost per Click) führen kann.

Und wie sieht es bei der Differenzierung nach Plattformen aus? Auch hier ist schnelles Laden besonders für mobile Anwender sehr wichtig, die erfahrungsgemäß weniger Geduld aufbringen als Nutzer eines Desktops. Hier macht es ggf. auch Sinn, über eine eigenständige mobile App für Android und iOS nachzudenken, die im Vergleich zu einer im responsive Design erstellten Web-Anwendung besser hinsichtlich Performance optimiert werden kann. Und die es für Anwender einfacher macht, zu suchen, filtern und bezahlen.

Fakt: Wer eine der etablierten Open-Source Plattformen für seinen Shop wählt, findet dort eine Menge an Modulen und Tools speziell für Performance-Aspekte. Natürlich sollte man sich zu allererst Gedanken machen, ob der Hosting Provider oder Dienst eine optimale Performance bietet, häufig lassen sich hier noch einige Prozente durch optimale Puffer- und Speichereinstellungen herausholen. Doch dann ist man schnell an dem Punkt, an dem man sich mit Minification, CDN oder Caching beschäftigen sollte.  Eine weitere gute Quelle sind die zahlreichen Foren der Communities, die Magento, PrestaShop, WooCommerce, OpenCart, usw. unterstützen.

Tipp: Wer WooCommerce auf Basis von WordPress verwendet, kann das Scalability Pro Plugin verwenden, um Indizes zu erzeugen (zur Vermeidung von zeitraubenden Tabellen-Scans) und Queries in Verbindung mit W3 Total Cache zu optimieren. Letzteres hilft u.a. bei der Minification, beim Seiten-, Browser- und Datenbank-Caching sowie dem Aufsetzen eines CDN.

#2. Stelle sicher, dass Deine Webseite der zentrale Anbieter Deines Contents ist

Das klingt auf den ersten Blick irgendwie komisch, hat aber einen durchaus ernsten Hintergrund. Wenn ein bestimmter Content wie z.B. Nutzertipps oder Produkte auf der eigenen Webseite nicht so richtig in die Gänge kommen will, sucht man häufig nach anderen Kanälen mit großer Reichweite, um ihn dort anzubieten. Solche Kanäle können die üblichen Social Media Anwendungen sein oder PPC-Kampagnen, Display Ads oder andere bezahlte Werbung. Allerdings ist nur Content auf der eigenen Webseite auch wirklich unter eigener Kontrolle. Du entscheidest, was damit heute oder in einem Jahr geschehen soll, ob Du ihn löschen oder verändern möchtest, ob Du mit dem Content auch Nutzerdaten erfassen möchtest oder was Du mit so generierten Daten machen kannst.

Im Vergleich dazu spielt man das „Away Game“, wenn man vorwiegend Facebook, LinkedIn oder andere Social Media Plattformen nutzt, um seine Produkte zu verkaufen: Ohne eigene Domäne, ohne Hosting und Betrieb einer eigenen eCommerce Seite verzichtet man darauf, eine eigenständige Präsenz im Netz zu unterhalten. Und obwohl das verlockend klingen kann (geringere Kosten, schnellere Umsetzungszeiten), ist man fast uneingeschränkt auf die Spielregeln angewiesen, die solche sozialen Netzwerke und Plattformen anwenden – und leider auch regelmäßig ändern. Sollte im Extremfall eine solche Plattform komplett ausfallen, verschwindet der eigenen Content ebenfalls sofort.

Tipp: Kontrolle über den eigenen Content bedeutet auch immer Kontrolle darüber, ob und welche Daten von Nutzern gesammelt werden. Klar können das Facebook und Amazon besser, aber mit der Zeit und mit ein paar guten Tools kann jeder Betreiber Käuferverhalten, Interessen & Präferenzen erfassen und analysieren lernen.

Dieses Grundkonzept lässt sich in leichter Variation auch auf Google anwenden. Wer sich mit Offpage SEO beschäftigt, muss Keywords recherchieren, Artikel schreiben und Kommentare auf anderen Seiten platzieren, um so Spuren des eigenen Contents im Internet zu hinterlassen. Manche dieser Inhalte werden von Google im sog. Knowledge Graph verwendet. Das kann dazu führen, dass ein Anwender als Ergebnis seiner Google Suche diese Inhalte direkt angezeigt bekommt, quasi aus dem eigenen Wissenspool von Google selbst, anstatt eines Link auf die eigenen Inhalte bzw. Seite. Damit reduziert sich der Traffic aus der organischen Suche. Mehr dazu kann man auch auf diesem Moz Artikel von Dr. Peter J. Meyers nachlesen. Das gilt übrigens für alle Publisher, also auch für Blogger, Zeitungen oder Nachrichtenmagazine.

# 3. Biete flexible Zahlungssysteme an

In etablierten ECommerce-Märkten wie Mittel- und Nord-Europa, USA, Canada, Japan oder Australien sind Online Zahlungssysteme kein problematisches Thema mehr. Auf der anderen Seite aber gibt es viele interessante Märkte wie Ost-Europa, Indien oder Afrika, in denen Anwender zunehmend gerne im Internet einkaufen, aber nicht unbedingt eine Kreditkarte dafür benutzen möchten oder können. Allgemein ist das Misstrauen gegenüber digitalen Zahlungssystemen dort groß, teilweise mangelt es an fundiertem Wissen, teilweise an Vertrauen.

Ein gutes Beispiel ist Stripe, das von vielen Shop-Betreibern gerne verwendet wird, da es über ein gut sortiertes Toolkit für Internet-Bezahloptionen verfügt. Stripe ist aber nur in 25 Ländern verfügbar, die meisten davon in etablierten ECommerce-Regionen. Wer also Stripe einsetzen möchte, muss sich entsprechende Workarounds für Märkte überlegen, die Stripe nicht unterstützen, aber dennoch wirtschaftlich interessant sind.

In diesem Zusammenhang drängt sich auch die Frage auf, welchen Einfluss Blockchain Technologien auf Zahlungssysteme und Online Shopping allgemein haben werden. Eine zentrale Idee hinter Blockchain ist das Eliminieren von Zwischenhändlern im Bezahlprozess, um so Bearbeitungsgebühren zu vermeiden und gleichzeitig Kontrolle über das eigene Zahlungsmittel zu erhalten. Dadurch könnten sich die Zahlungsprozesse bei erhöhter Transparenz beschleunigen und Betrug ausschließen – theoretisch. Denn nichts ist nur Schwarz oder Weiß. Ein kritischer Aspekt von Blockchain Zahlungen ist der Schutz persönlicher Daten, der gerade im Zusammenhang mit dem neuen EU-weiten Datenschutzgesetzt GDPR (General Data Protection Regulation) neue Brisanz gewinnt. Ein anderer könnte Performance werden, denn noch lässt sich nicht einschätzen, wie gut Blockchain bei stark zunehmender weltweiter Akzeptanz skaliert.

Hier gibt es also nicht eine einzelne perfekte Lösung. Die Wahl der Zahlungsmethode hängt davon ab, welche Zielgruppe in welchen Märkten angesprochen werden soll und wo man Prioritäten im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Einfachheit setzt.

Zusammenfassung

Jeder der genannten 3 Tipps reißt die Grund-Themen nur an, jedes Thema lässt sich beliebig tief analysieren und verzweigen. Im Bereich Performance gibt es z.B. interessante Diskussionen darüber, inwieweit AMP Implementierungen hilfreich sind, im Bereich Zahlungssysteme verdient die Frage von Authentifizierung mittels Blockchain mehr Aufmerksamkeit. Aber am Ende des Tages soll hier eine wesentliche Botschaft vermittelt werden: Ein erfolgreicher Online Shop sollte relevante Inhalte, die man selbst kontrolliert und verwaltet, schnell laden und mithilfe flexibler und sicherer Zahlungsmethoden den Anwendern ein einfaches und angenehmes einkaufen erlauben.

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