Osteuropa ist beim Frauenanteil in der IT weit vorne

Wenn man sich die Situation in Westeuropa und den USA ansieht, wird schnell klar, dass der Anteil von Frauen in technologischen Bereichen, speziell in der IT, sehr gering ist. Ganz anders stellt sich die Lage in den Ländern des ehemaligen Ostblocks dar, allen voran in Bulgarien und Rumänien. Und das wirft natürlich die Frage auf, warum das so ist, trotz der zahlreichen Bemühungen in der westlichen Welt, den Frauenanteil zu erhöhen.

Zunächst einmal fällt auf, dass es in den Ländern mit früherer sozialistischer bzw. kommunistischer Vergangenheit keine vergleichbaren Debatten über Frauenquoten gibt, auch gezielte Programme zur Förderung des weiblichen Geschlechts in (insbesondere technischen) Berufen sind eher selten.

Ein Teil der Antwort liegt in genau dieser sozialistischen Geschichte. Einerseits sah die Staatsdoktrin ohnehin eine – nicht nur theoretische – Gleichberechtigungg der Geschlechter vor, was im Alltag bedeutete, dass der Staat Frauen und Männer bis auf wenige Ausnahmen zu gleichen Teilen in die unterschiedlichen Berufsfelder brachte. Dank der Omnipräsenz des Staates und der lenkenden Wirkung seiner Planwirtschaft konnte er natürlich auch maßgeblichen Einfluss darauf nehmen, welche Berufe in welchem Umfang für seine Bürger/innen verfügbar waren bzw. von diesen auch ausgefüllt werden mussten.

Die “Emanzipation der werktätigen Frauen”

Fairerweise muss man dazu auch sagen, dass der sozialistische Staat auch darauf angewiesen war, dass möglichst viele Frauen arbeiten gingen, um das wirtschaftlich ineffiziente System durch eine möglichst große Anzahl an Arbeitskräften zu unterstützen. Die Doktrin der “Emanzipation der werktätigen Frauen” war letzten Endes nichts anderes als die euphemistische Umschreibung der Tatsache, dass jede helfende Hand gebraucht wurde, ganz gleich ob männlich oder weiblich. Und um das in der Organisation des täglichen Lebens auch sicherstellen zu können, wurden bereits für Kleinstkinder Horte und Krippen eingerichtet, damit der Nachwuchs insbesondere die Frauen nicht von einem schnellen Wiedereinstieg ins Berufsleben abhielt. Strukturen, die auch heute noch in weiten Teilen vorhanden sind und genutzt werden.

Nautrwissenschaften haben einen sehr hohen Stellenwert

Parallel dazu haben die sozialistischen Staaten traditionell einen großen Fokus auf Mathematik, Physik und andere Naturwissenschaften gelegt. Schon kleine Kinder wurden zur Teilnahme an Mathematik-Olympiaden animiert und im Verlauf ihrer Schullaufbahn stark in Richtung der naturwissenschaftlichen Disziplinen gedrängt. Aus diesem Grund gab es auch schon vor der Auflösung der sozialistischen Staaten einen sehr hohen, oft paretätischen Frauenanteil in wissenschaftlichen Berufen. Und dieser Trend hat sich auch nach dem Mauerfall ungebrochen fortgesetzt. Mit dem Ergebnis, dass es z.B. in den USA rund 20% Frauen in Hightech-Berufen gibt, in Japan sogar nur 13% – während wir in Rumänien in vielen IT-Unternehmen mehr als 50% Frauen zählen können. Bei Infobest liegt diese Quote sogar bei knapp über 60%, ohne dass es besonderer Anreizsysteme o.ä. bedarf. Es gibt einfach ein entsprechend hohes Maß an sehr gut ausgebildeten und qualifizierten weiblichen Arbeitskräften, die bewusst und gerne in der IT arbeiten möchten. Und diese Verteilung findet sich auch auf allen Unternehmens-Ebenen wieder, vom Teilzeit-Studenten über den / die Projektleiter bis hin zu leitenden Mangement-Rollen.

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